Das Anliegen

Am Forschungsinstitut wollen wir die wissenschaftliche Erweiterung und Vertiefung der Sektionsarbeit der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum fortsetzen und vertiefen. Es wird gemeinsam von der Naturwissenschaftlichen Sektion und der Sektion für Landwirtschaft betrieben. Eine Zusammenarbeit mit anderen Sektionen ist denkbar.

Wir sind überzeugt, dass es einer aktiven Forschung mit den methodischen Grundlagen der Anthroposophie bedarf, um Fragen der Gegenwart und Aufgabenstellungen der anthroposophischen Lebensfelder gerecht zu werden. Diese Intention gehört in unseren Augen wesentlich zu den Aufgaben des Goetheanums und seiner Sektionen. Der Standort Goetheanum ist bezüglich des interdisziplinären Potentials und den Besuchern aus der ganzen Welt einmalig.  

Methodik

Ausgehend von der naturwissenschaftlichen Arbeit Goethes und der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners wurde in den letzten Jahrzehnten ein Set phänomenologischer Methoden erarbeitet und erprobt. Nichts desto weniger streben wir in unseren Projekten immer wieder an, die Forschungsmethode neu zu entwickeln und dem Forschungsgegenstand anzupassen, d.h. die jeweils angemessenen Herangehensweisen zu finden.

Der scheinbare Widerspruch – eine Methode am Gegenstand zu entwickeln bevor man ihn erforscht hat, ist charakteristisch für unsere Arbeitsweise: Wissenschaft, als Prozess aufgefasst, erfordert ein dauerndes Hin- und Herpendeln, eine Art Atmungsvorgang, zwischen wissenschaftlicher Untersuchung und Reflexion der Methoden. Der Begriff wird als „Werbung“ (ein Ausdruck, der durch Hermann Poppelbaum geprägt wurde) mit der offenen Frage an die Erscheinung herangetragen, ob sie ihn annimmt – der Wissenschaftler wird durch das „Objekt“ belehrt.

Dabei können verschiedene Gesichtspunkte eingenommen werden: Im Sinne eines „Cognitive Holism“ (McClamrock 1989, Caruana 2000, Leiber 2008) werden Erfahrungszugänge von der Analytik, einer ideen- oder erscheinungsorientierten Phänomenologie, bis hin zu einer meditativen Praxis „ins Ganze“ gedacht und integriert. Forschung dieser Art beschränkt sich nicht auf Literaturarbeit, sondern ist auf Beobachtungen und Experimente angewiesen. Dem Ansatz ist immanent, dass alle Resultate ihre Bedeutung erst in der konkreten Beziehung zum Menschen erhalten: Die „Ganzheit“ entsteht im Menschen und gehört doch zum Objekt.

Eine Blattreihe von "senecio vulgaris". Blattreihen helfen die Entwicklungsdynamik von Pflanzen besser zu verstehen.

Projekte

Schwerpunkt des Forschungsinstituts ist Grundlagenforschung. Aktuelle Forschungsfragen und die Art ihrer Behandlung werden zur Anthroposophie so in Beziehung gesetzt, wie es an anderen Instituten wegen der äusseren Gegebenheiten meist nicht möglich ist. Ziel ist somit weniger eine direkte Anwendungsorientierung noch ein „naturwissenschaftlicher Beweis“ anthroposophischer Inhalte, sondern eine spezifische „Wesenserkenntnis“ der Sache, die Erschliessung von Zugängen zur Natur und zur Anthroposophie, die einem naturwissenschaftlichen Bewusstsein gerecht werden können.

Je nach Aufgabenstellung arbeiten wir mit anderen Instituten und Universitäten zusammen (z.Z. Universität Potsdam, Leuphana Universität Lüneburg, Humboldt Universität Berlin), die über andere Ressourcen für experimentelle Arbeiten verfügen. Die Ergebnisse sollen der Weiterentwicklung der anthroposophischen Lebensfelder ebenso dienen, wie einen Beitrag zur allgemeinen Wissenschaftskultur leisten. 

 

Übersicht der Forschungsprojekte am Institut

Ausbildung

Unser Ausbildungsangebot besteht zur Zeit in Viertiefungswochen in Anthroposophie für Landwirte, Sommeruniversität zum Thema Lebensforschung, Betreuung einzelner Studierender am Goetheanum bei naturwissenschaftlichen Fragen.

Wir denken über verschiedene mögliche Erweiterungen dieses Angebots nach, wie z.B. Wochenendseminare für Studierende oder Wochenendkurse für anthroposophisch und naturwissenschaftlich interessierte Laien.

Neben dem Ausbildungsangebot gibt es natürlich für eine interessierte Öffentlichkeit von uns veranstaltete Tagungen, Ausstellungen und Seminare.

 

 

Informationen zum Ausbildungs- und Studienangebot  |  Konferenzen und Veranstaltungen

Institutsleitung

Die Institutsleitung besteht z.Zt. aus: Jean-Michael Florin, Ueli Hurter (beide Leitung der Sektion für Landwirtschaft), Johannes Kühl (Leiter der Naturwissenschaftlichen Sektion) und Dr. Johannes Wirz (Koordinator). Sie vertreten das Institut gemeinsam oder einzeln nach Absprache.

Die festen Mitarbeiter des Instituts tragen und gestalten in regelmässigen Konferenzen und Kolloquien das Institut mit.


MitarbeiterInnen und Mitarbeiter

Johannes Kühl & Johannes Wirz
Das "Glashaus", in dem die Naturwissenschaftliche Sektion und das Forschungsinstitut zuhause sind.