VORTRAGSREDNER



Wege zum Geistigen in der Natur – in der Idee

Matthias Rang

Physiker, studierte in Freiburg und Berlin und war Gastwissenschaftler an der Universität Washington in Seattle. 2015 Promotion über phänomenologische Zugänge zu komplementären Spektren. Seit 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut am Goetheanum.



«Allgemeine Ansichten nach Innen» und Goethes Farbkreis

Goetheanistische Naturwissenschaft ist von Grund auf eine empirische Wissenschaft: Phänomene der Aussenwelt werden beobachtet, Variationen der Bedingungen studiert und Experimente durchgeführt. Andererseits hat Goethe betont, dass aus all diesen Experimenten und Beobachtungsergebnissen direkt nichts gefolgert werden kann, «...ja dass nichts gefährlicher sei als irgend einen Satz unmittelbar durch Versuche beweisen zu wollen…». Darin unerscheidet sich das Vorgehen Goethes von anderen empirischen Wissenschaftlern, die entweder eine Induktion oder eine Deduktion als Verbindungsglied zwischen Empirie und Idee zulassen. Stattdessen schwebte Goethe offenbar eine Fortsetzung der empirischen Methode als «höhere Erfahrung in der Erfahrung» oder als «Allgemeine Ansichten nach Innen» vor, so dass die Idee nicht als Spekulation, sondern als Erfahrung die zweite Seite der Erkenntnis bildet.

 

Konrad Urech

Biologie-Studium an der ETH in Zürich und Promotion (1979) am Institut für Allgemeine Botanik (ETHZ) zu einem Thema der Pflanzenphysiologie. Seit 1979 Mistelforschung am Institut Hiscia des Vereins für Krebsforschung in Arlesheim in den Fachbereichen Botanik, Pharmakologie und Pharmazie. Ein wesentlicher Arbeitsbereich ist die Entwicklung von neuen Präparaten für die anthroposophische Onkologie.

Wege zum Verständnis der Heilpflanze Mistel (Viscum album L.)

Ein reiches Spektrum von Phänomenen zeigt sich im Umgang mit der Mistel in der Natur, in Untersuchungen ihrer Gestalt- und Substanzbildung und ihrer pharmakologischen Prozesse, in der pharmazeutischen Verarbeitung und im Studium der publizierten wissenschaftlichen Resultate. Dieser tätige, äussere Umgang mit der Mistel eröffnet zugleich ein inneres Erlebnisfeld. Das innere Nachvollziehen, das Auftauchen von Bildern, das Ergriffensein durch seelische Empfindungen und das Aufleuchten von Ideen lassen die Phänomene als Ausdruck eines Wesenhaften der Mistel erscheinen. Konkrete Schritte auf diesem Weg der Erforschung der Mistel und ihres Heilpotenzials sollen in diesem Beitrag zur Darstellung kommen.

 

Wege zum Geistigen in der Natur – durch Symbolisieren

Judyth Sassoon

Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bristol und am Ruskin Mill Field Centre. Untersuchung der Evolution von sekundär im Wasser lebenden Wirbeltieren. Vorträge und Kurse über Goetheanistische Naturwissenschaft. Ausserdem Unterricht an internationalen Ausbildungsstätten für Oberstufenlehrer an Waldorfschulen.





Gibt es urbildliche Gesten bei lebendigen Organismen?

Gibt es allgemeine Eigenschaften und Gesten in der Natur selbst? Haben sie eine innere Bedeutung und ist es für den menschlichen Geist möglich, diese zu erfassen? Im Vortrag möchte ich diese Frage unter dem Gesichtspunkt der Tierentwicklung  untersuchen. Dabei sollen lebende und ausgestorbene Wirbeltiere als Beispiele angeschaut werden.

Torsten Arncken

Geb. 1962. Seit 1990 Mitarbeiter am Forschungsinstitut der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum. Forschung zum sinnlich-übersinnlichen Zusammenhang zwischen Gestalt, Entwicklung, Duft und Geschmack von Pflanzen und ihrer Wirkung auf den Menschen. Aktuelle Projekte mit Pflanzen für die Körperpflege in Zusammenarbeit mit der Weleda Kosmetik-Entwicklung und freie Forschungsprojekte zur Heilwirkung von metallgedüngten Pflanzen, gefördert von der Humanus Stiftung und der Stiftung Forschungsförderung der Anthroposophischen Gesellschaft.

Symbolisieren der reinen Wahrnehmung als wissenschaftlicher Weg in die Imagination

Durch das Symbolisieren der reinen Sinneswahrnehmung taucht das Bewusstsein des Forschers in die imaginative Welt ein und pendelt dann wieder zurück in die Sinneswahrnehmung. Der lebendige Geist der Natur, der auch im Menschen west, wird durch diesen rhythmischen Prozess an die Sinneswelt herangezogen und wahrgenommen. Es kommt zum Geistbesinnen. Die Willenstätigkeit Christi tritt in die Bewusstseinsseele des Menschen ein und diese nimmt durch ihre Aktivität Anteil an den Kräften der Schöpfung. Diese Forschungsmethode wird am Beispiel des Duftes metallgedüngter Pflanzen dargestellt.

 

Wege zum Geistigen in der Natur – auf dem Weg zur Schwelle

Kees Veenman

Geb. 1953 in Holland. Physikstudium in Utrecht. Seit vielen Jahren Physikunterricht an der Waldorfschule in Harlem und seit dreissig Jahren Forschung im Feld der Farben. Seit 1998 Koordinator der Gruppe der Naturwissenschaftlichen Sektion in Holland.

 

 

Schwellenerlebnisse im Bereich der Farbe

Das Leben mit den Gesten verschiedener Farbexperimente führte mich zu Schwellenerlebnissen. Das regte die Entwicklung einer Reihe von Farb-Meditationen an. Ein Beispiel dafür ist die Regenbogenmeditation.

 

Johannes Kühl

Geb. 1953 in Hamburg. Studium der Physik, Mathematik und Chemie in Hamburg und Göttingen. 1982–1996 Oberstufenlehrer an der Waldorfschule Stuttgart Uhlandshöhe. Seit 1982 Mitglied im Kollegium der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum, seit 1996 Leiter dieser Sektion. Arbeiten über Strömungsphysik, Mechanik des menschlichen Bewegungsorganismus, über goetheanistische Optik und Farbenlehre sowie zur Physikdidaktik.

Licht und Finsternis auf dem Weg zur Schwelle

Durch einen Vergleich äusserer und innerer Erlebnisse mit Licht und Finsternis soll versucht werden zu erkunden, wie sich auf dem Weg zur Schwelle zunächst das Verhältnis zur Sinneswelt verdunkelt, um dann mit anderer Qualität neu gewonnen zu werden.

 

Zu «Grenzvorstellungen» bei Rudolf Steiner

Martin Basfeld

Geb. 1956. Studium der Physik, danach Forschungen und Veröffentlichungen zu Grundlagen der Anthroposophie, Physikgeschichte, Ich und Wärme, Sinneslehre, Reinkarnation und Karma. Sechs Jahre Oberstufenlehrer für Physik und Mathematik an einer Waldorfschule, fünfzehn Jahre in der Waldorflehrerbildung in Mannheim. Seit Sept. 2017 freie Forschung und Lehre. Aktueller Arbeitsschwerpunkt: Die Bedeutung der Philosophie und Psychologie Franz Brentanos für die Entwicklung der Anthroposophie.

Grenzvorstellungen zwischen imaginativem und sinnesbezogenem Erkennen

Es gibt für den heutigen Menschen zwei Bewusstseinsverfassungen, in denen er Grenzvorstellungen erlebt. Die eine ist das von seiner Leibesorganisation abhängige Träumen. Die Bilder, die da erlebt werden, stammen aus den Erinnerungen an das wache Erleben in der Sinneswelt. Die den Traum gestaltenden Kräfte sind dagegen ähnlich denjenigen, die dem Lebensleib zukommen durch die kosmischen übersinnlichen Bilder, die der Seelenleib während des Schlafens aufnimmt. Diese Kräfte regenerieren den Leib während des Schlafes und tragen so zur Verarbeitung der Erfahrungen des vorangehenden Tages bei. So lebt der Mensch im Traum leibgestützt an der Grenze von Sinnes- und imaginativem Erleben.
Die andere Bewusstseinsverfassung erlangt man, wenn man im Vorstellen, das an der Sinneswelt entwickelt wird, die gestaltenden Kräfte so aufsucht, dass man mit Ihnen denkend leben lernt. Man begibt sich dann unabhängig von leibgebundenen Anlässen an die gleiche Grenze. Jetzt ist das Erleben aber willentlich vom Ich getragen und kann so zu einem Erkenntnisinstrument erweitert werden. Im Vortrag soll an Beispielen der geschilderte Sachverhalt erläutert werden. 

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