Vortragsredner

Technik I: Mechanik und Elektrizität

Eine technische Entwicklung schreitet in grossen Schritten voran; dabei greift die Technik zunehmend in Bereiche der menschlichen Wesensglieder ein. Welche Wirkungen können beobachtet werden? Vor welchen Aufgaben stehen wir? Wie können Ansätze gefunden werden, die technische mit der menschlichen Entwicklung in einem aufsteigenden Lebensstrom zusammenzubringen? Praktische Erfahrungen und Umsetzungen im Betrieb von Sonett.

Peter Tontsch

Geboren 1957, mit einer ganzheitlichen Fragestellung tätig in sozialen Zusammenhängen als Drucker, Schreiner, Spediteur bei der Kooperative Dürnau. Seit 1999 auf technischem Felde verantwortlich bei Fa.Sonett, ökologische Wasch- und Reinigungsmittel.

Andreas Pook

Geboren 1969, auf der Suche nach dem Sinn in verschiedensten technischen und künstlerischen Berufsfeldern unterwegs und seit 2009 bei und für Fa.Sonett tätig – u. a. als Architekt.

 

Beziehung zur Über-Natur I: Zur Pflege der Kunst

Die Technik ist Produkt eines Denkens, das sich in mechanischen Gesetzen bewegt und den Menschen in diese Wirksamkeit einspinnt. Durch die Technik und die digitalen Medien ist man sozusagen fortwährend den Wirkungen dieses Denkens ausgesetzt. Es ist ein sekundäres Element, das aus sich selbst heraus nichts Lebendiges hervorzubringen in der Lage ist. Fragt man im Sinne des der Tagung zugrunde liegenden Leitsatzbriefes nach der Übernatur, so liegt ihr Wesen in einem aktuell schöpferisch Hervorgebrachten, das kein Vorbild hat, sondern aktuell, gleichsam aus dem Nichts geschaffen wird. In meinem Beitrag möchte ich anhand einiger philosophischer Thesen der Gegenwartsphilosophie von Byung Chul Han und Norbert Paul Liessmann zum Schönen zur Digitalisierung der Frage nach der Beschaffenheit der Übernatur nachgehen. Margrethe Solstad wird diese Suche mit eurythmischen Beispielen begleiten.

In seinen Äusserungen zur Technik als einem notwendigen Evolutionsfaktor der Bewusstseinsseele weist Rudolf Steiner nachdrücklich darauf hin, dass diese noch stetig wachsende Technologie durch einen neuen Vertiefungsschritt in den Künsten auszugleichen ist, um nicht in diesem technischen Milieu sich zu verlieren. Er hat dann markant über die vielschichtigen menschenkundlichen Aspekte der einzelnen Künste, wenn sie neu ergriffen werden, referiert: 1908 in Berlin (11.06.1908, GA 102), im Winter 1914/15 in Dornach in den später „Kunst im Lichte der Mysterienweisheit“ genannten Vorträgen (GA 275), und 1921 im öffentlichen „Summer Art Course“, der einzigen den Künsten gewidmeten Veranstaltung im ersten Goethanum selbst (GA 77b). Inzwischen ist im Januar dieses Jahres auf dem Davoser Weltwirtschaftsgipfel die 4. Industrielle Revolution proklamiert worden. Wo stehen wir heute, etwa 100 Jahre nach Steiners Beiträgen zum Thema? Was heisst das in Bezug auf seine Anregungen, und was ist bisher geschehen und beziehungsweise gegenwärtig in Bewegung?

Christiane Haid

Dr. phil., Leiterin der Sektion für Schöne Wissenschaften der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum, Leiterin des Verlags am Goetheanum. Literaturwissenschaftlerin, Historikerin, Malerin. Promotion in Literaturwissenschaft zum Thema „Mythos Traum und Imagination – die Kleinen Mythen Albert Steffens“ (Basel 2012). Veröffentlichungen zu anthroposophischen, historischen und literarischen Themen.

Michael Kurtz

Michael Kurtz (*1948), seit 2001 mit einer Teilanstellung für Musik in der Sektion Redende und Musizierende Künste am Goetheanum tätig. Forschungsgebiete insbesondere die Musik seit der frühen Moderne und die Wirkenskräfte des Musikalischen auf den Menschen. Zahlreiche Text- und Buchveröffentlichungen in verschiedenen Sprachen, u.a. für die Berliner Symphoniker, Salzburger Festspiele und das KDG-Komponisten-Lexikon. 2015 erschien als Grundlagenwerk zum Thema „Rudolf Steiner und die Musik. Biographisches. Geisteswissenschaftliche Forschung. Zukunftsimpulse“ im Verlag am Goetheanum.

 

Technik II: Chemie und Leben


„Genome Editing“ Techniken verändern die Forschungslandschaft in Biologie, Evolutionstheorie, Landwirtschaft und Medizin. Sie sind einfach und kostengünstig in der Anwendung und erlauben gezielte Eingriffe ins Genom aller Lebewesen einschliesslich des Menschen. Spezifische Veränderungen der Genexpression erlauben, den Beginn grosser Übergänge in der Evolution, z.B. vom Wasser aufs Land, experimentell nachzuvollziehen. Schweine werden so verändert, dass ihre Organe in der Transplantationsmedizin verwendet werden können; Nutzpflanzen mit Resistenzen gegen Schädlinge und Toleranzen für Trocken- oder Wasserstress werden entwickelt, und erste Eingriffe in menschlichen Embryonen zur Behebung von Gendefekten wurden durchgeführt. Es gibt drei Wege mit „Genome Editing“ umzugehen: Ihrer Verführung zu erliegen, vor ihrer Macht zurückzuschrecken oder sich mit den Techniken zu „imprägnieren“, ein Ausdruck den Rudolf Steiner verwendet hat im Umgang mit der Darwinschen Evolutionstheorie. Die Auswirkungen der dritten Möglichkeit sind für eine spirituelle Beschäftigung mit der Thematik zukunftsweisend.

Martin Rozumek

Chemiker mit Nebenfach Philosophie. Seit 2006 Wissenschaftlicher Mitarbei-
ter der WALA Heilmittel GmbH. 2000-
2006 Forschungsinstitut am Goethe-
anum, 1994-2000 Friedrich von Har-
denberg Institut für Kulturwissen-
schaften, Heidelberg, und Anthroposo-
phische Gesellschaft in Deutschland. Veröffentlichungen zu chemischen, chemiephilosophischen und pharma-
zeutischen Themen unter -goetheanistischem Blickwinkel.

Johannes Wirz

Promotion in molekularer Genetik; Co-Leiter der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum. Projekte über die Ökologie der Schmetterlinge und die Aufwertung ihrer Lebensräume, zur Stärkung der Gesundheit der Honigbienen sowie über non-target effects genetischer Veränderungen an Kulturpflanzen; Herausgeber der Elemente der Naturwissenschaft; seit 2014 zusätzlich Mitarbeiter der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle, Mellifera e.V.

 

Beziehung zur Über-Natur II: Zur Pflege der Nacht

Ob der Mensch von der Technik determiniert wird oder ob er die Kräfte freisetzen kann, sie produktiv zu gestalten, ist nicht zuletzt auch eine leibliche Frage. Der innere Zugang zum eigenen geistigen Wesen unterliegt konstitutionellen Bedingungen. Von grosser Bedeutung ist dabei die Wirkung der menschlichen Nachterlebnisse. Damit ist die Aufgabe der Pädagogik angesprochen, die das Verhältnis von Wachen und Schlafen, Tag und Nacht bewusst pflegen und entwickeln möchte. Was kann die Pädagogik dazu beitragen, dass es dem Menschen möglich wird, sich in die „Über-Natur“ zu erheben?

Wie oft bemerkt ist das Entwickeln eines Gleichgewichts zwischen Über- und Unter-Natur eine enorme Herausforderung. Die „Heiligung der Nächte“ (Rudolf Steiner) könnte eine Art Kulturimpuls und ein Beitrag in dieser Richtung werden. Wie diese Beziehung zur Über-Natur getan, erlebt und verstanden werden kann, soll Inhalt des Beitrag sein.

Andre Bartoniczek

Geboren 1965, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Heidelberg. Nach dem Referendariat am Gymnasium war er von 1997 – 2003 Oberstufenlehrer für Deutsch und Geschichte an der Waldorfschule Weimar, seit 2004 an der Waldorfschule Uhlandshöhe in Stuttgart. Zudem ist er in der Lehrerbildung tätig.

Johannes Kühl

Physiker. 14 Jahre Oberstufenlehrer an der Waldorfschule Stuttgart. Seit 1996 Leiter der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum. Arbeiten über Strömungsphysik, Mechanik des menschlichen Bewegungsorganismus, über goetheanistische Optik und Farbenlehre sowie zur Physikdidaktik.

 

Technik III: Bewusstsein und Intelligenz

Der Vortrag geht von der Beschreibung gegenwärtiger Trends der Technologieforschung aus und schildert, wie transhumanistische Ideen diese Entwicklung „überhöhen“ wollen. Der in (eigentlich) kybernetischen Bildern verstandene Mensch soll im Zusammengehen mit verbesserten Technologien die Basis der zukünftigen Evolution sein. Ein neuer Mensch soll werden, der in computergenerierten „Leibern“ eine relative Unsterblichkeit erlange und zudem sein Bewusstsein wesentlich erweitern könne.

(EN - mit deutscher Übersetzung)

The human intellect as it is understood today has several aspects that are confused with the concept “intelligence of machines.” A clear separation of the notion of machine intelligence from human intelligence is necessary. A short history of logical development of computers, and their corresponding effect on human cognition, helps to identify this distinction. Further research in student learning practices and university life shows how the confusion between the two kinds of intelligence is imprinted onto social life. The effect on consciousness of the “I” as well as the consciousness of the “other self” is far-reaching. There are several ways not only of offsetting this development, but also to move forward from this point on. Understanding this development from the inside is a vital prerequisite to deal with modern life in a spiritual scientific way.

Edwin Hübner

Prof. Dr. habil., geb. 1955. Studium der Mathematik und der Physik in Frankfurt am Main und Stuttgart. Von 1985 – 2015 Lehrer für Mathematik, Physik und Religion an der Freien Waldorfschule Frankfurt am Main. Seit 2015 Professur für Medienpädagogik an der Freien Hochschule Stuttgart – Seminar für Waldorfpädagogik. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt „Medien und Pädagogik. Gesichtspunkte zum Verständnis der Medien, Grundlagen einer anthroposophisch-anthropologischen Medienpädagogik.“ edition waldorf 2015.

Gopi Krishna Vijaya


Gopi Krishna Vijaya is from Bangalore, India. He has completed his undergraduate physics training from the Indian Institute of Technology Kanpur (India), and his PhD in Physics (Solar Energy) from the University of Houston (USA) in 2014. He is currently engaged in the study of the Reciprocal System of Physics – a way to inculcate Goethean thought into modern physics – in Salt Lake City, USA.

 

Beziehung zur Über-Natur III: Zur Pflege des inneren Lebens - Meditation und Kultus

Es soll in Form eines individuellen Beitrags darum gehen, Technik in ihrer Eigenschaft als Gestaltungspotential zu erfassen, und gerade die mit ihr verbundenen Phänomene als Fingerzeig zu begreifen, in genau welcher Richtung Fähigkeitsbildung zur Wahrnehmungs-, Handlungs- und Verantwortungsfähigkeit als Mensch in seinem geistigen Ursprung und Wesen angestrebt werden kann. Dies, um zu ihrer umfassenden Wirksamkeit und Präsenz ein gültiges Gegengewicht zu setzen.

Zum Symbolisieren als Brücke zwischen Phänomen und Imagination.

Im 8. Vortrag der Grenzen der Naturerkenntnis beschreibt Rudolf Steiner sehr kurz die Notwendigkeit als Naturforscher den Wahrnehmungsinhalt nicht gedanklich aber bildhaft, als Symbol, in der Seelentätigkeit meditativ zu verarbeiten. Man soll namentlich in diesen Prozess nicht auf unbewusste Weise Reminiszenzen von der Wahrnehmung mitnehmen und auch nicht durch Abstraktion der Gedanken die Kraft des Phänomens abtöten. Das Ziel ist die Seelentätigkeit ebenso stark zu aktivieren wie unser Organismus in der Wahrnehmung aktiv tätig ist. In meinem Beitrag will ich versuchen konkret anhand meditativer Beispiele zu beschreiben, wie ich das im Bereich der Farbenphänomenologie schaffe.

Susanne Böttge

Diplomingenieur für Architektur. Studium in Dresden. Seit 12 Jahren Tätigkeit im Baubüro am Goetheanum.

Kees Veenman


 

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